
Anlässlich des 100jährigen Bestehens des Ruder-Verein „Preußen“ e.V. gab der Vorstand
2003 eine Festschrift heraus, in der der folgende Text (hier verteilt auf 5 Teile) zur
Vereinsgeschichte erschien.
Druck: Rotaprint-Druck Werner Hildebrand, Berlin
Auflage: 200
© 2003 Ruder-Verein „Preußen“ e.V., Berlin-Heiligensee
Seit nunmehr einhundert Jahren hat der Ruder-Verein „Preußen“ e.V. (RVP) im Jubiläumsjahr
2003 Bestand. Dieses Jahrhundert war geprägt sowohl von vielen gravierenden Umbrüchen, Katastrophen
aber auch von Erfolgsgeschichten, die das Vereinsleben zeichneten, und die an dieser Stelle
anlässlich des 100-jährigen Bestehens unseres Vereins zusammengefasst werden sollen.
Beginnen wir im Jahr 1903, dem Gründungsjahr des RVP. Es lag in einer Phase nationalen Überschwangs -
die Gründung des Deutschen Reiches lag gerade 32 Jahre zurück - sowie eines enormen technischen
Fortschritts, etwa der Entdeckung der Radioaktivität oder des ersten Motorfluges.
Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert fand auch in Deutschland immer mehr die Ausübung
des aus England "importierten" Rudersports Anklang, und eine Vielzahl von Rudervereinen
haben ihr Gründungsdatum in dieser Zeit.
Aus der Ruder-Gesellschaft von 1884 durch den Kameraden Haase, dem Berliner Ruder-Club
„Alemannia“ durch den Kameraden Lehmann sowie einigen noch vereinslosen Kameraden, die
sich vorrangig dem Wanderrudern verschrieben hatten, wurde am 25. November 1903 der Ruder-Verein
„Preußen“ e.V. gegründet. Die Flaggengebung gestaltete sich unkompliziert. Von der
„Alemannia“ wurden die beiden schwarzen Balken übernommen, statt des schwarzen Sterns der
preußische Adler in die Mitte gesetzt, und die Geißecke erhielt die Abkürzung R.V.P. Die Anfänge
unter dem allerersten 1.Vorsitzenden Hugo Haase waren eher bescheiden; so wurde zunächst in
Privatbooten gerudert, die an verschiedenen Stellen gelagert wurden. Erst mit einiger Verzögerung
konnte ein Holzschuppen im Wendenschloß bei Köpenick als provisorisches Bootshaus erworben werden,
welcher die vorhandenen sechs Privatboote aufnahm. In dieser von stetigem Aufbau geprägten Phase
gehörten etwa 25 Mitglieder zum Verein. Im März 1906 erwarb der RVP seinen ersten werftneuen Vierer.
Anlässlich der Jungfernfahrt schrieb der Wassersport-Verlag, Berlin:
„Bemerkenswert ist noch, dass diese erste Fahrt nicht nach einer Anfangsfahrt aussah, da an
der Arbeit zu sehen war, dass die Herren Ruderer schon manches Training und manchen Kampf in früheren
Jahren auf der Regattabahn hinter sich hatten. An die darauf stattfindende Taufe schloss sich eine
gemütlich Feier, die die Mitglieder lange Zeit zusammenhielt.“
übrigens fand in diesen ersten Jahren bei der Aufnahme neuer Vereinsmitglieder eine strenge Auslese
der sich zur Aufnahme stellenden Sportsfreunde statt, um die Harmonie innerhalb der noch relativ
kleinen Gemeinschaft zu wahren.

Mit der sich weiter verbessernden Situation entstand immer mehr der Wunsch, eine dauerhafte und noch
besser geeignete Ruderheimat für die dann etwa 30 Kameraden zu schaffen, als es das bislang genutzte
Grundstück im Wendenschloß war. Auf einem seinerzeit noch weit vor der Stadt gelegenen Gelände in
Karolinenhof fand man die notwendigen Voraussetzungen, im Wald schön gelegen mit Aussicht über den
Langen See zum Rohrwall und weiter zu den Müggelbergen. Im Jahre 1913 wurde das neue Grundstück
bezogen und durch vieler Hände Arbeit nutzbar gemacht. Auch hier diente zunächst ein größerer
Holzschuppen als Bleibe für die Boote.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass ein großes Talent der „Preußen“ bereits damals in
der Organisation von Festivitäten lag, so etwa Sommer- und Winterfeste, die neben Freude und
Geselligkeit auch Geld für die Vereinskasse brachten. Übrigens trat „der Preuße“ bei
solchen Gelegenheiten stilsicher mit schwarz-weißer Krawatte und weißer Hose mit schwarz abgesetzten
Streifen auf.
Das Glück war leider nicht von langer Dauer, denn im Juli 1914 wurde für den ersten Weltkrieg mobil
gemacht, und auch viele Kameraden zogen in den Krieg, nicht ahnend, dass viele von ihnen nicht lebend
zurückkehrend würden.